Derivate des Glücks

 

 

„Im Anfang war das Wort!”, so steht es im Neuen Testament geschrieben.

Da geht es um die Erschaffung der Welt, hier geht es um nichts Geringeres, hier
geht es um ein Ausstellungskonzept. Im Anfang war das Wort. Über dieses Bibelzitat lässt Johann Wolfgang von Goethe bereits seinen Faust stolpern, als dieser sich mit dem Pudel ins Studierzimmer zurückzieht, um das heilige Buch ins Deutsche zu übersetzen.

Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

Phaidra

Phaidra – Tempera auf Nessel,110 cm x 150 cm

Wir sehen uns konfrontiert mit der Tat. Und zwar in Form der von Jürgen Gromoll geschaffenen Kunstwerke. Und sogleich stellt sich die Sinn-Frage, die Frage nach der Bedeutung. Was will Es mir sagen? Wir neigen dazu, verstehen zu wollen, bestenfalls einfach, ohne Umschweife und in unseren Denkmustern.
Die Arbeiten von Jürgen Gromoll erhellen sich nicht auf den ersten schnellen
Blick, sie sind eine Aufforderung zur Langsamkeit, wie sie Pirsig im seinem Buch „Zen oder die Kunst ein Motorrad zu reparieren” bereits gestellt hat.

Mädchen mit Wölfen

Mädchen mit Polarwölfen – Tempera auf Nessel, 110 cm x 150 cm

So lenkt uns Jürgen Gromoll auf eine falsche Fährte, wiegt uns in Sicherheit, um uns sogleich aus dem warmen Bettchen wieder hinauszuwerfen.

Indem er uns anfängliche Gewissheiten nimmt, schafft er einen freien Raum, der unsere Neugier weckt und die Bereitschaft ihm zu folgen in seine visionäre Welt.

Eine Welt, in der er sich gerne bei den symbolträchtigen Mythen, Märchen und der Religion bedient. In seinen über dreißig Jahren künstlerischem Schaffen hat er eine eigene unverwechselbare Handschrift entwickelt. Seine Gemälde nennt er Tafelbilder, um den Moment des Zeigens zu betonen und nicht im traditionellen Sinne. Oft sind seine Werke zweigeteilt – so wie man jedes Ding auch von zwei Seiten betrachten kann – und tragen auf dem fast uni gestalteten flächigen Hintergrund sparsam gesetzte Figuren – Menschen und Tiere – sowie Objekte.

Junge Frau mit Einhorn

Junge Frau mit Einhorn – Tempera auf Nessel, 110 cm x 150 cm

Wie auf einer Bühne lässt er sie vor einer meist dunklen Fläche
agieren, setzt sie in Beziehung zueinander, aber ohne eine sichtbare Berührung.
In seiner Arbeitsweise ist Jürgen Gromoll durch und durch Perfektionist. In seinermalerischen Technik ebenso wie bei der Auswahl und Verarbeitung seiner
Materialien. Er überlässt nichts dem Zufall, jedes Detail ist genauestens
konzipiert. Es gibt nichts Überflüssiges, keinen interpretierenden oder
verbindenden Hintergrund und pro Bild nur wenige Motive. Seine Bilder sind
überschaubar, wie der Raum, in dem wir uns gerade befinden. In der Musik
würde man sagen, Jürgen Gromoll hat den Mut zur Stille.

Pommerland

Pommerland – Tempera auf Nessel, 110 cm x 150 cm

Indem er seine Geschichten erzählt, gibt er dem Betrachter keine
Bedienungsanleitung, aber genügend Material für eigene Interpretationen und
Erinnerungen an die Hand. Wie im richtigen Leben lässt es sich nicht sagen, so
ist es und nicht anders! „Vom Wahrsagen lässt sich’s wohl leben in der Welt,
aber nicht vom Wahrheitsagen.” (Georg Christoph Lichtenberg)
Jürgen Gromolls Gemälde verstehen sich als ein erzählerisches Wandern durch
die menschlichen Abgründe, Happyend nicht einbegriffen. Anders als in den
erzieherisch lehrreichen Grimms Märchen gibt es bei ihm keine Lösung, aber
auch keine Wertung. Aber es bleibt nicht beim Erzählen von Vergangenem. Jürgen Gromoll holt die Vergangenheit ins hier und jetzt. Keine Gegenwart ohne Vergangenes. Der Sinn stellt sich beim Rückblick automatisch ein. „Es ist so wie es ist, weil es nicht anders kann als irgendwie zu sein!” (Anna & Bernhard Blume; ein Künstlerpaar, das sich mit bewegten fotografischen Zuständen auseinandersetzte).

Königskinder1

Königskinder – Tempera auf Nessel, 110 cm x 150 cm

Vordergründig schlüpft Jürgen Gromoll in die Rolle des Märchenerzählers,
andererseits geht es ihm als genauem Beobachter um seine subjektiv erfahrene
Welt. Mittels der Interaktion seiner scheinbar schlichten Symbole provoziert er
Emotionen und Erinnerungen, beleuchtet die gesellschaftlichen Verhältnisse underzählt seine eigene persönliche Geschichte.

zuchthasen

Zuchthasen – Tempera auf Nessel, 120 cm x 190 cm (Diptychon)

Zu den Bildern als Mittler zwischen dem Künstler und dem Betrachter einTextfragment aus Cees Notebooms Roman „Das Paradies ist nebenan”:„… Es handelt sich um eine Geschichte, und ich habe diese Geschichte einmal erzählt, einem Freunde, aber wohlgemerkt: in der dritten Person. – Und damit handelte es sich um einen anderen und nicht mehr um mich, denn ich wollte nicht, dass so etwas mir widerfahren sein sollte.”

 

Jürgen Gromoll *1953 Mülheim an der Ruhr
lebt und arbeitet in Neuss/Rhld.
1996 Gründung der Eigenblut Prod. (edition eigenblut) zusammen mit der
Philosophin Gisela Behrendt

Publikationen Auswahl:
Artic No. 6, Zeitschrift für Philosophie und Kunst, Bonn 1999
Punkt 5, Multiple‘s Magazine, Paris/Berlin 2002
Geleé Royal, Magazin für Illustration und Grafik, Essen 2004
„Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib …“, DuMont Buchverlag 2009
ereignis, kunst des geschehens, Vestischer Künstlerbund, Recklinghausen 2012

 

Werke in öffentlichen Sammlungen:
Städt. Kunstsammlung Mülheim/Ruhr
Sammlung Jürgen Blum, Hünfeld
Kunstsammlung der Stadt Neuss
Atlanta Contemporary Art Center, USA
Stiftung Schloss und Park Benrath, Museum für Europäische Gartenkunst,
Düsseldorf
Museum of Modern Art, Sydney

Messebeteiligungen (Auswahl)
Internationale Buchmesse Frankfurt, Page(s) Paris, Leipziger Buchmesse,
Kunst Köln, Kunstmesse Straßburg, Cologne Fine Art, Art Cologne

 

Derivate der Kunst

Jürgen Gromoll

Vernissage: Freitag, den 13.10.2017, 20:00 Uhr

Studio NOVO Artspace

Einführung in die Ausstellung: Anne Kotzan & Robert Mohren

catalogue available!  Illustrierter Katalog; Ausstellung Jürgen Gromoll (*1953) „Derivate des Glücks“ – Jetzt Katalog online blättern!

studio novo (1)

 

Alle Rechte vorbehalten – All rights reserved

Studio NOVO Artspace ©2017

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